Apple vs. Flash – der Kampf um die Zukunft des Webs

Steve Jobs hat in der letzten Woche eine riesen Diskussion um Flash im Internet losgetreten. Sein offener Brief mit seinen Gedanken zu Flash hat viele für- und wiedersprecher. Im groben sagt Steve Jobs das Flash properitär, ressourcenfressend und die Vergangenheit des Internets sei.

Normalerweise würde es niemanden interessieren wenn eine Person bzw. dessen Firma etwas derartiges äußern würde. Doch das iPhone und das iPad sind Verkaufsschlager die ihresgleichen suchen. Gestern erst wurde vermeldet das bereits 1 Million iPads verkauft wurden. 1 Million Geräte, dessen Hauptaufgabe die Erkundung des Webs ist. 1 Million Geräte und User die ohne Flash auskommen.

Dazu kommen noch weltweit etwa 85 Million verkaufte iPhones. Also rund 86 Million potentielle Kunden für jede kommerzielle Website – selbst wenn weniger als 1% dieser Nutzerschicht die eigene Website besuchen würde, wäre so ziemlich jede Firma oder jeder Online Shop glücklich. Bei diesen Zahlen also eine Äußerung die man ernst nehmen sollte.

Berechtigte Kritik?

Dennoch stellt sich die Frage ob Steve Jobs recht hat, mit dem was er sagt. Viele Stimmen im Internet sagen Apple würde Flash nur nicht zulassen, weil das eigene Geschäftsprinzip mit den AppStore und dessen Apps damit zerstört würde. Viele andere User wiederum stimmen ihm im vollen Umfang zu – Flash sei von gestern, die Zukunft ist HTML5 – denn HTML5 ist offen und für jeden benutzbar … ohne zusätzliche Software neben dem Browser.

HTML5 ist die Zukunft, aber eben nicht die Gegenwart. Jeder Webentwickler u. -designer weiß wie groß der Anteil an Internet Explorer 6 Usern im Web ist. Ein Browser von 1999. Steve Jobs möchte gerne etwas zum Standard erklären, was zum aktuellen Zeitpunkt noch von keinem aktuellen Browser zu 100% unterstützt wird. Viele Videoportale haben mitlerweile eine Weiche eingebaut. Flash für die Leute von gestern, HTML5 für die von heute. Sicherlich eine gute Idee…aber Ressourcen die sich nicht jede Firma leisten kann. Bis auch der letzte User auf einen modernen Browser umgestellt hat, wird noch einige Zeit vergehen.

Ein weiterer Punkt ist, das Flash für die Maus gemacht wurde, und nicht für den Finger. Die Maus besitzt einen Zeiger der über ein Element fahren kann und damit ein „Hover“ Event auslöst. Dies ist mit dem Finger nicht möglich…der Finger ist entweder auf dem Touchscreen oder er ist es eben nicht. Somit müssten sehr sehr viele Flash-Seiten an die neue Usability angepasst werden und in dem Zuge könnte man doch direkt auf etwas User-freundlicheres Umstellen…meint zumindest Steve Jobs.

Adobes Sicht

Adobe hat die Kritit an Flash aufgenommen und mit einem kleinen Statement dagegen gehalten. Wenn man dies mit dem vergleicht was Steve Jobs zu der Thematik zu sagen hat, wirkt die Äußerung des Herrn Shantanu Narayen (Adobe Chef) auf mich jedoch so, als ob er nicht wirklich viele Argumente dafür hätte, warum Flash unbedingt auf dem iPhone und dem iPad laufen müsste.

Shantanu Narayen sagt so viel, wie: „Wir sind nich alleine Schuld daran das Flash nicht so gut läuft, der Akku würde nicht so viel Strom fressen wenn Apple eine Hardwarebeschleunigung anbieten würde und Apples System ist auch properitär„. Irgendwie wirkt das sehr einfallslos…

Kommentar

Meine Sicht der Dinge ist, dass Flash der Vergangenheit angehört. Flash ist zumindest auf dem Mac sehr Ressourcenfressend und sollte – wenn Adobe sich durchsetzen möchte – schon überall gleichgut laufen. Von den Ladezeiten auf mobilen Geräten möchte ich garnicht erst anfangen, denn selbst normale HTML Websites die nicht für mobile Geräte optimiert sind können mir schon manchmal den letzten Nerv rauben.

Zudem lassen sich mitlerweile mit JavaScript Frameworks, wie z.B. jQuery oder Mootools viele schöne Effekte zaubern. So kann jede Website dynamisch gestaltet werden und niemand wird Flash vermissen. Gleiches gilt für die Videoseiten – hier wird es zwar noch ein paar Tage dauern, aber die großen wie YouTube und Vimeo haben schon auf h.264 und HTML5 umgestellt und sind für die Zukunft gerüstet – ein moderner Browser wird natürlich vorrausgesetzt.

Ob der Weg von Apple, Flash überhaupt nicht auf dem iPhone zu erlauben der Richtige ist, sei dahingestellt – aber es ist definitiv ein konsequenter und einer der evtl. das Internet der nächsten Jahre mitprägen wird.

Was meint ihr dazu? Hat Steve Jobs mit seinen Aussagen recht?

Andre Teich

arbeitet als Webentwickler und Webdesigner bei der Firma Tintometer in Dortmund. Die Fachgebiete sind die Webentwicklung mit PHP, JavaScript, MySQL, CSS und die Designarbeiten mit der Adobe Creative Suite.

4 Kommentare zu "Apple vs. Flash – der Kampf um die Zukunft des Webs"

Tweets die Apple vs. Flash – der Kampf um die Zukunft des Webs | Chukki.de erwähnt -- Topsy.com

[…] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von André Teich, André Teich erwähnt. André Teich sagte: Neuer Beitrag auf Chukki.de – Apple vs. Flash – der Kampf um die Zukunft des Webs http://bit.ly/afvslp #flash #html5 #adobe #iphone #fb […]

Webdesign Mannheim 13. Jul 2010 um 18:23 Uhr

Meiner Meinung nach hat Flash gerade erst den größten Aufschwung seiner Geschichte erlebt. Durch YouTube & Co. haben mittlerweile gute 95% der PCs den Flash Player installiert.
Klar sind die Zahlen der verkauften iPhones schockierend. Aber Fakt ist, dass praktisch jeder dieser 85 Millionen Menschen einen PC mit dem Flash Player daheim stehen hat. Und darauf kann man doch wohl bauen…

Daniel 16. Jul 2010 um 16:18 Uhr

Ich denke, dass es für Mac User schon so rüber kommt als sei Flash ein sehr unstimmiges Produkt, aber das liegt auch größtenteils an der schlechten Unterstützung. Als ich noch mein Windows System genutzt habe sind nie Probleme mit Flash aufgetreten und ich denke auch nicht, dass die Zeiten von Flash vorbei sind. Flash ist sehr flexibel in den Anwendungsgebieten. Internetseiten, Inhalte der Internetseiten (Spiele), Videoplayer oder zum Beispiel die Verwendung von Flash in Adobe Air Programmen. Das sind Dinge die man nicht alle mit HTML 5 abdecken kann, daher denke ich, dass beide Technologien sehr sinnvoll sind und weiterhin bestehen bleiben sollten.

André 29. Jul 2010 um 12:57 Uhr

Ja die große Anzahl an installierten Clients auf Desktop Rechnern mag mit Sicherheit ein Aspekt sein. Aber ich denke das die Entwicklung immer mehr in Richtung mobiler Endgeräte gehen wird, wie eben das iPad.

Ich persönlich würd auch nich meckern, wenn es installiert wäre – aber ein Fan war ich nie und werd ich nie werden. Klar…Youtube und co. haben Flash nochmal aus der Versenkung geholt. Aber ich denke das in Zukunft davon nach und nach auch immer mehr abgelassen wird, da es mitlerweile andere Möglichkeiten gibt.

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